Anna Maria Parteli

Gedichte, Quatschgeschichten, Bilder  - Deutsch, Englisch

 

 

Wie wir leben

 

 

 

Herzen in der Glasvitrine

 

und der Himmel ist nicht blau

 

Freiheit ist die Violine

 

und der kalte Morgentau

 

 

 

Menschen, die fürs Suchen leben

 

ich denk noch darüber nach

 

er mag lieber Schnee, sie Regen

 

und damit füllt sich der Tag

 

 

 

Voll Geräuschen, voll mit Menschen

 

grad für die, die einsam sind

 

so hat jeder seine Grenzen

 

und einen andren Wahrheitssinn

 

 

 

Von alledem bin ich mal wenig

 

manchmal laut und manchmal nie

 

denn nur Vincent bliebt jetzt ewig

 

und malt gelb Melancholie

 

Rapunzel und Youtube, oder wie Rapunzel ein Burnout kriegte und was daraus wurde

 

 

Es war einmal ein etwas eingebildetes Mädchen, das Rapunzel hieß. Sie hatte langes, blondes Haar, um das sie alle ihre Freundinnen beneideten. Eines Tages dachte sie sich, man könne daraus doch Profit schlagen und erstellte ihren eigenen Youtube – Channel. Darauf probierte sie die neuesten Diäten aus, reviewte, genau wie die 10.000 anderen Beautyyoutuberinnen, die Produkte von den Firmen, die ihr einen Haufen Geld dafür zahlten oder schmierte sich Nutella ins Gesicht, um für ihre Zuschauer herauszufinden, ob der Kakao darin eine pflegende Wirkung hatte. Dabei wurden ihre Haare zu ihrem Markenzeichen und Rapunzel war mit dem ganzen Blödsinn wahnsinnig erfolgreich und wurde von Tag zu Tag eingebildeter. Eines Tages aber hatte Rapunzel einen Bad-Hair Day, so nennt man das, wenn ein Mädchen am Morgen seine Frisur nicht gebacken kriegt und deshalb den ganzen Tag depri ist. Zudem hatte ihr Freund sich geweigert, sich vor der laufenden Kamera von ihr die Haare blau färben zu lassen. Das war nämlich Inhalt der laufenden Challenge, die man als Youtuber immer mitmachte, wenn man seine Abonnenten nicht verlieren wollte. Dann sah Rapunzel den Stapel Briefe mit Anfragen diverser Firmen, die sie gerne als Produktplaziererin haben wollten und dann verzweifelte sie über der Aufgabe, Content für ihr nächstes Video zu finden. Schließlich drehte Rapunzel durch und kriegte ein Burnout. Aber weil Rapunzel eigentlich schon immer mal hatte alternativ sein wollen, ging sie nicht zur nächsten Nervenheilanstalt, sondern vertschüsste sich in irgendein zwielichtiges Loch mitten im Wald, wo Internetempfang noch für ein Fremdwort gehalten wurde. Das Loch war ein Turm ohne Türen oder andere Eingänge. Man fragt sich an dieser Stelle zwar, wie das Mädel dann überhaupt in den Turm reingekommen ist, aber gut, bleiben wir mal bei den Fakten. Fakt war nämlich, dass in dem Turm schon jemand drin war, nämlich ein anderes junges Mädchen, das wie Rapunzel ein Problem mit ihrer Persönlichkeit hatte. Im Gegensatz zu Rapunzel hatte die aber 0 Selbstbewusstsein und obwohl sie ein echt hübsches Ding war fand sie sich total hässlich. Nun trafen hier also diese beiden Mädchenklischees aufeinander und fanden sich zuerst gegenseitig genauso klischeehaft und uncool wie nur irgendwie möglich, aber dann wurden die logisch echte baes und bffs forever, weil die Rapunzel das Mädchen (das übrigen Aschenputtel hieß) ein Stück von ihrem Selbstbewusstsein abschneiden ließ und sich dafür selbst etwas Bescheidenheit zulegte. Rapunzel fand ihr altes Leben jetzt auch voll schlimm und ihr altes Ich viel zu mainstream und so und wollte damit abschließen. Youtube fand sie jetzt auch total creepy und es tat ihr leid, dass sie wahrscheinlich vielen Mädchen zur Magersucht verholfen hatte. Lifestile, Essverhalten und so weiter wurden jetzt erstmal gründlich geupdated. Aber ihr altes Leben holte sie ein, als klar wurde, dass sie in ihrer Vergangenheit als Youtubestar einen Typen auf den Plan gerufen hatte, der jetzt total besessen von ihr war. Der Stalker fand den Turm und stand da tagelang rum und wollte, dass Rapunzel ihm ihre Haare zeigte und sie so doof aus dem Fenster hängte. Aber Rapunzel und Aschenputtel fanden den Typen uncool und weil sie zwei toughe Mädels waren, die im Selbstverteidigungskurs in der Schule gut aufgepasst hatten, vermöbelten sie den Stalker. Dabei legte sich Aschenputtel eine weitere Portion Selbstbewusstsein zu und Rapunzels Burnout wurde auch therapiert, weil quasi Antiaggressionstraining. Jedenfalls beschlossen die beiden am Ende, dass sie es draufhatten und machten aus dem Turm ein Zentrum für Frauen mit Minderwertigkeitsgefühlen oder sonst einem derartigen Quatsch, den keine Frau zu Recht oder verdient hat.

 

Das war also die Geschichte, wie Rapunzel ein Burnout kriegte und das alles eigentlich noch richtig coole Folgen hatte. 

Ende

 

k o n t a k t


Die Glühbirne

wir.die.gluehbirne@gmail.com

 


Kommentare: 1
  • #1

    Christa (Montag, 01 Juli 2019 10:44)

    Dieses "Wie wir leben" hat mich schon bei der Lesung in Bozen zutiefst berührt. Und wie sehr ich mich gefreut habe, über dieses große Talent Anna Parteli, ich hoffe sehr, noch viel von dir zu hören. Was heißt hier hoffen... bei diesem Talent bin ich mir ganz sicher!